Zeitgeschichte - "Befreit und Besetzt"

Die Übergabe der Stadt Salzburg an die US-Armee 1945

 

Zum Glück für das Land und seine Bevölkerung traf der Krieg die Stadt Salzburg ebenso spät wie unvorbereitet. Immerhin wurde am 8. 4. 1945 mit Oberst Hans Lepperdinger ein Kampfkommandant etabliert, der aber erst, nachdem Gauleiter Gustav-Adolf Scheel am 17. 4. Reichsleiter Martin Bormann schriftlich gebeten hatte, eine Territorialverteidigung aufbauen zu dürfen, am 20. 4. seine Tätigkeit aufnahm: Was folgte, gehört zu den Grotesken jener Tage hektisch inszenierter Götterdämmerung: Man begann mit einem bescheidenen Stellungsausbau an einer fiktiven Hauptkampflinie vom Hochgitzen über den Nockstein zum Gaisberg, also mit Front nach Osten. Als man schließlich doch erkannte, dass man nicht mit der Roten Armee, sondern mit den Amerikanern rechnen durfte, war es freilich für das Meiste zu spät. Scheel setzte sich hinter den Pass Lueg ab, nachdem er zuvor noch Hitler versichert hatte, er werde „in Bergen und Tälern bis zum Letzten kämpfen“ und gab somit den Kampf um die Stadt auf – zumindest sollte er sich noch im Mai 1945 dieser Haltung rühmen. General Dwight D. Eisenhower wiederum fürchtete die propagierte „Alpenfestung“ und befahl am 30. 4. seine 7. Armee (unter Kommando von Generalleutnant Alexander M. Patch, der wieder sein XV. Korps beauftragte) von München nach Salzburg vorzurücken, was sich laut Manfried Rauchensteiner als „motorisierter Marsch unter taktischen Bedingungen“ (Schlechtwetter) erweisen sollte. Am 1. 5. griff noch einmal die 15. US-Luftflotte in die Kämpfe ein, nachdem Lepperdingers Versuche, Salzburg zur „Lazarettstadt“ zu erklären, gescheitert waren. In der Nacht von 3. auf 4. 5. wurde Salzburg von Freilassing aus beschossen, daraufhin wurde die Stadt beleuchtet, um die kampflose Übergabe zu signalisieren. Nachdem es in den Morgenstunden des 4. 5. Parlamentären schließlich doch gelungen war, mit den Amerikanern Kontakt aufzunehmen, rollten zu Mittag bereits die Panzer der 106. US-Kavallerie-Gruppe des XV. Korps durch die Straßen. Nachmittags folgte das Kapitulationsangebot der Heeresgruppe G durch General Hermann Foertsch, den Oberbefehlshaber der 1. deutschen Armee, in Salzburg. Zu diesem Zeitpunkt war die Festung wieder rot-weiß-rot beflaggt.

Einmarsche der 3.US-Infanteriedivision "Rock of the Marne" in Salzburg am 4.Mai 1945 um 11.30 Uhr. (Staatsbrücke)
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